Reisebericht: Festung Küstrin

Nach Stippvisiten in Fürstenberg und Eisenhüttenstadt ging es ein längeres Stück oderabwärts zur Zwillingsstadt Frankfurt-Slubice. Die Promenade am Fluss sahen wir als Baustelle und die Brücke bleibt für ihre Grenzstaus berühmt. Wir versprachen einen Blick aufs eindrucksvolle Frankfurter Rathaus. Hier ist er.

Gerade für 35,7 Millionen Euro saniert - das Frankfurter Rathaus am Markt, Blick aus der Bischofstraße.
Gerade für 35,7 Millionen Euro saniert – das Frankfurter Rathaus am Markt, Blick aus der Bischofstraße.

Als Zentrum des Heringshandels erklärt sich die Kleiststadt, über deren Rathauszinnen ein goldener Hering an der Angel baumelt. Unten in dem ehrwürdigen Bau krähen kabarettistisch die „Oderhähne“ und die Tür neben dem Haupteingang führt zur Kunstsammlung, einer Zweigstelle des Cottbuser Museums für Moderne Kunst. Die gotische Fassade des Regierungsgebäudes beeindruckt schwer; im Inneren haben die beiden Berliner Architekturbüros ihre Gedanken, befreit vom mittelalterlichen Zeitgeist, spielen lassen, ein schönes Atrium und moderne Kultursäle und Arbeitsräume installiert. Das sei alles denkmalgerecht, steht auf der Rechnung. Darunter die Bausumme: 35,7 Millionen Euro. 19 Millionen davon kamen aus der Städtebauförderung. Wir haben’s ja. Als alles fertig war, zog der Oberbürgermeister um nach Potsdam. Er wurde Minister.

Blick auf die Oder vom Küstriner Ortsteil Kuhbrücke. Von rechts kommt der Vorfluter zum Fluss mit jetzt breitem Sandstrand, hinten die Brücke nach Polen.
Blick auf die Oder vom Küstriner Ortsteil Kuhbrücke. Von rechts kommt der Vorfluter zum Fluss mit jetzt breitem Sandstrand, hinten die Brücke nach Polen.
Nur den Sockel gibt es noch vom Denkmal, das die dankbare Stadt dem Markgrafen widmete.
Nur den Sockel gibt es noch vom Denkmal, das die dankbare Stadt dem Markgrafen widmete.
Romantischer Ortsteil am Fluss mit naturnahem Campingplatz.
Romantischer Ortsteil am Fluss mit naturnahem Campingplatz.
Lebus steht auf Hügeln, wie auf dem Bild im Blick von der Oder erkennbar ist.
Lebus steht auf Hügeln, wie auf dem Bild im Blick von der Oder erkennbar ist.

Wir zogen weiter oderabwärts in noch ältere Kultur, das . Östlich vom Fluss heißt die Woiwodschaft Lebus, aber die namensgebende Stadt liegt am linken Flussufer, ein deutsches Landstädtchen mit wenig mehr als 3.000 Einwohnern. Erwähnt wurde der Ort schon 1.000 vor Christus, verschwand dann aber wieder, tauchte um 900 als polnische Bischofsstadt neu auf. Mitte des 13 Jahrhunderts hatten Brandenburger Markgrafen das Sagen, die aber Lebus vernachlässigten und stattdessen

Unten am Fluss lädt bei bester Küche das Restaurant „Oderblick“ ein - aber nur, falls Plätze reserviert sind.
Unten am Fluss lädt bei bester Küche das Restaurant „Oderblick“ ein – aber nur, falls Plätze reserviert sind.

1253 Frankfurt an der Oder gründeten. So also kam die Stadt zu ihrem gerade erwähnten feinen Rathaus.

Eines der restaurierten Festungs- oder auch Stadttore. Der Wegweiser zeigt zur Ausstellung in den Kasmatten der Bastion Philipp.
Eines der restaurierten Festungs- oder auch Stadttore. Der Wegweiser zeigt zur Ausstellung in den Kasmatten der Bastion Philipp.

Die Personalie passt zu Küstrin, unserem nächsten Ziel. Johann Markgraf von Brandenburg (1513-1571), von seinen Landsleuten liebevoll Hans genannt, machte sich um den Ort verdient, den heute nur wenige noch als glanzvolle Residenzstadt vor Augen haben. Was Polenbesucher als Küstrin am Zufluss der Warthe kennen, ist nur die ehemalige Neustadt; die „richtige“ Stadt mit Schloss und Kirche, von der Oder umflossen, lag in der Festung. Die Bürgerhäuser standen dicht bei dicht, und durch die engen Straßen klingelte bis 1945 die Straßenbahn, die Alt- und Neustadt verband. Was wir als Festungsmauer, inzwischen schon ansehnlich restauriert, wahrnehmen, war also eine verstärkte Stadtmauer. Als die Russen 1945 anrückten, trugen sie die Wut auf dieses „Nest der Hohenzollern“, Ausgeburt von preußisch-deutschem Militarismus, im Herzen und machten, weit über allen militärischen Sinn hinausgehend, jede einzelne Wand platt. So blieb Küstrin über Jahrzehnte eine Trümmerlandschaft.

Die sind die höchsten Mauerreste der einst prächtigen Residenzstadt Küstrin
Die sind die höchsten Mauerreste der einst prächtigen Residenzstadt Küstrin

2005 kam mit kulturhistorischem Denken die Wende. Die Festung wurde ab 2008 zum Museum, Wer sich Zeit nimmt und zur Phantasie Wissen hinzufügt, kann zwischen kaum einen Meter hohen Mauerresten durch die Stadt geben. Überall stehen Straßennamen, und in der Kasematte gibt es ein wunderbares, professionell gestaltetes Museum.

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