Die stolze Stadt und ihre Schule / In Forst legten die Unternehmen größten Wert auf gut gebildete Fachkräfte
Das Rätselbild der Vorwoche zeigt ein typisches Motiv einer modernen, wohlhabenden Mittelstadt der Kaiserzeit. Man präsentierte Wohlstand in seinen Bauwerken, zeigte Lebenskultur in den Parks und steckt viel Geld in Höhere Schulen und Fachschulen. Und die standen nicht irgendwo an Stadträndern, wie heute vielfach üblich, sondern in den besten Vierteln, mitten in der Stadt, wie Kirche und Rathaus. Denn Fachkräfte waren der Stolz jeder Industriestadt. Auch in Forst.
Horst Baltin teilt seine Gedanken zu dem prächtigen Forster Motiv kritisch mit: „Auf dem Rätselbild ist eine der Fabrikantenvillen zu sehen. Zur damaligen Zeit hatte Forst viele Textilbetriebe. Der Aufschwung der Textilindustrie vor dem ersten Weltkrieg hatte den Forster Tuchfabrikanten enorme Profite gebracht. Während der Lohn der Arbeiter unverändert blieb bzw. sank, profitierten die Fabrikanten. Die Villen und parkartigen Gärten der Fabrikanten standen im Gegensatz zu den Lebensverhältnissen der Arbeiter. Nach meiner Vermutung ist das Bild vom Stadtpark, heute Jänickenstraße, aufgenommen. Rechts ist die Textilschule zu sehen.“
Viele Geschichtsbücher geben Herrn Baltin recht. Forst war Ende des 19. Jahrhunderts eiens der deutschen Zentren des Arbeitskampfes. Die Sozialdemokratie konnte hier damals starke Wurzeln schlagen.
Annemarie Krause stellt ganz persönliche Bezüge her: „Nach meiner Auffassung stammt diese Aufnahme aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Im Vordergrund ist ein Teil des Forster Stadtparks zu sehen. Die Villa im Hintergrund bewohnte Kommerzienrat Klemm mit seinem Sohn Robert Klemm und später mit dessen Familie. Das schöne Anwesen stand in der Wilhelmstraße. Der große Schornstein, der hinter der Villa herausragt, gehörte zur Fabrik ‘Werner Klemm’, in der meine Großmutter als Einnäherin und meine Tante als Weberin Jahrzehnte gearbeitet haben. Wenn ich mich recht erinnere, stand diese Fabrik in der Inselstraße und wurde nach dem 2. Weltkrieg als Kohleplatz benutzt.“
Sichere Parkkenntnisse beweist Viola Schiemenz: „Auf dem Damals war´s Bild vom 7. April ist der Stadtpark von Forst zu sehen. Dieser Park wurde 1831 von dem Kaufmann und Major der Schützengilde Friedrich August Jänicke angelegt. Am Eingang erinnert ein Denkmal an ihn. Viel Gartenkunst wurde hier angewandt, um der Stadt Forst eine Stätte der Erholung zu schaffen. Dieser Park hat eine Größe von 20 Morgen und war lange Jahre bis 1910 der einzige größere öffentliche Park von Forst. Im Vordergrund des Bildes sehen wir einen Teich, der durch Aufbau von Felsgestein kunstvoll über Kaskaden mit Wasser versorgt wird. In diesem Teich schwammen Goldfische. Im hinteren rechten Teil des Bildes sehen wir die ehemalige Preußische Fachschule für Textilindustrie, die 1891 gegründet, und später (1908 und 1910) bedeutend baulich erweitert wurde. Links im Bild eine ehemalige Fabrikanten-Villa, in der heutigen Jänicken-Straße, dieses Gebäude – heute stark verfallen – gehörte Kommerzienrat Max Klemm..“
Thomas Methe hat sich ebenfalls in das Motiv vertieft: „Ich vermute, das ist der Stadtpark in Forst. Man sieht noch ein Gewässer. In der Nähe des Stadtparks war früher die Textilfachschule oder Webschule, da wurde der Meisternachwuchs für die Forster Textilbetriebe ausgebildet. Auch ein Bürgerheim war am Stadtpark, das aber nach 1945 abgetragen wurde. Auch das Schützenhaus war am Stadtpark. Das hatte einst ein großes Restaurant. Seit 1954 wurde es als Haus der Textilarbeiter genutzt, seit 2006 ist dieses Gebäude aber nach langem Leerstand abgerissen worden.“














