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Senftenberg: ‘nB’ spielt mit Buchstaben, mit Erinnern & Vergessen

Senftenberg & Seenland | Von | 30. September 2016

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Schlussapplaus am Grenzzaun. In „Bornholmer Straße“ gestaltet das Theater dramatisches Geschehen an jenem Berliner Grenzübergang, an dem nach der Schabowski-Verlautbarung am 9. November 1989 zuerst der Schlagbaum hochging. Mit größter Sorgfalt sind die in Hysterie führende Ratlosigkeit der Grenzer und der gehemmte Mut der Bürger gezeichnet worden Fotos: Steffen Rasche, Denis Kettlitz

„neugierig BLEIBEN“ oder „nicht BERECHENBAR“ sind Varianten hinter dem neuen Theater-Logo – bei „WIR SIND 70! Das Fest.“ funktionierte das Kürzel

Viel Herzlichkeit und große Gefühle auf den Bühnen – so feierte (und feiert weitere zwölf Mal!) das einstige Theater der Bergarbeiter, dann NEUE BÜHNE, jetzt „neueBÜHNE“ 70. Geburtstag. Das Publikum ist zum Ball eingeladen, eine Berliner Damenband spielt von Charleston bis Rock ‘n Roll alle Gangarten und das Ensemble schwooft kräftig mit. Intendant Manuel Soubeyrand, seit zwei Jahren hier, forderte seine Schatzmeisterin Christa Mahl glückseelig zum ersten Tanz und hätte am liebsten alle umarmt. Kein Wunder: Die „neue Bühne“ meldet Besucherrekorde und liefert sinnliches, hinreißendes Theater. Vier Stücke gibt’s zum Fest, zwei nur sind zu schaffen zwischen Rotem Teppich für alle und Party in der Mimen-Location.
In „Bornholmer Straße“, einer Bühnenfassung von Jörg Steinberg und Rainer Schwochow nach dem gleichnamigen Film, benennt der Abend Vorgänge, die auch nach 26 Jahren noch unfasslich wirken. Regisseurin Sonja Hilberger, zur Zeit eine der besten an deutschen Theatern, zeigt, dass auch Grenzer aller Waffengattungen und Dienstränge nicht zu begreifen vermochten, dass ein Hauch Weltgeschichte sie streifte. Und der stottrige Mut der Bürger, der sich lange vor dem gellenden „Wahnsinn“ zur Schranke tastet, lässt den Atem stocken. Das Plädojer der Lehrerin für ihr Land und für Freiheit zugleich geht nahe. Ob Oberst Kummers (Heinz Klevenow) Griff zu Flasche, Oberstleutnant Schäfers (Friedrich Rößiger) kategorisch-zerrissenes Nein zu Schusswaffen oder die moderierende Zöllner-Mutter (Sybille Böversen) – sie und alle Übrigen stehen ohne falsches Pathos an einer Grenze zwischen gestern und morgen, ohne diese Dimension zu erahnen. Einfach großartig, wie präzise, teils durchaus auch skurril, hier gespielt wird. Die Bühne (Grenzturm und Amtsstube wechseln drehend) von Ulrike Reinhard und genaue Uniformen wie auch  zivile Klamotten (Kostüme Jenny Schall) tragen zur beklemmenden Deutlichkeit bei. Es gab  viel herzlichen Beifall, der auch  die tolle Arbeit der Laiendarsteller einschloss.
Das Publikum drittelt sich nach  diesem Stück zu neuen Orten, etwa zum „Birkenbiegen“ von Oliver Bukowski, Regie Samina Chancrin, eine Berlinerin aus Bayern. Sieben Personen spielen  menschliche Konsequenzen jener undurchdachten Schabowski-Botschaft: Jeder kann gehen. Wohin führt solcher Zustand Menschen? Haben sie unvorbereitet die Kraft für eigene Schicksale? Den Hintergrund (Bühne und Kostüme wie zuvor Reinhard/Schall)) bildet die schön gewordene Landschaft, davor entziffert sich Zerwürfnis, Scheitern und (vielleicht) zweites Beginnen. Eine bemerkenswerte Uraufführung mit viel Beifall.
Im aufgeblühten Haus erzählen Bilder, Plakate und Texte Wichtiges aus sieben Jahrzehnten.
„nochBLEIBEN“ heißt es dann und „neugierig BLEIBEN bis spät ins „nachBlau“. Dem Spiel des Theaters folgt das Spiel mit neuen Kürzeln und wohl immer wieder ein „neuBEGINN“  J.H.



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