Odry und Oderberg waren kleine, Oppeln eine mittlere Stadt an der Oder. Jetzt erreichen wir die Metropole am Fluss: Wroclaw, das wieder stolze Breslau.

Die Stadt ist voller Faszination, zehntausende Touristen besuchen sie täglich, und wie die meisten unserer Leser waren auch wir wiederholt in Wroclaw. Gut drei Autostunden liegt das entfernt von Cottbus. Von den längst verstorbenen Großvätern wissen wir, dass die Cottbuser Maurer Ende der 1920er Jahre in der Weltwirtschaftskrise im Pulk nach Breslau zogen, die Stadt aufbauten und so ihre Familien durchbrachten. Was später geschah, war nur Grauen, und das Bild rechts unten deutet den Schnitt an.


Wir nähern uns diesmal der Stadt von Süden und wollen weitestgehend am Wasser, unserem Thema, bleiben. Die Oder tritt von Osten her ins Stadtgebiet ein, umspült die berühmte Dominsel und erreicht später die Marina im Norden mit dem Yachtclub Berglina, der auch Wohnmobilplätze mit traumhafter Abendkulisse bietet. Von hier radeln wir stadteinwärts und erreichen schnell an der früheren Rathenau-Brücke die noch aktive Rosenthaler Schleuse von 1916. Rosenthal war ein Stadtteil im Norden von Breslau, und die Rosenthaler Straße (ul. Pomorski) trägt uns geradewegs in die Altstadt über die frühere Werderbrücke, jetzt Most Pomorska, die aus drei Teilen besteht, 1879, 1905 und 1930 gebaut, letztere in Stahl. Wroclaw, das auf zwölf Inseln steht, hat heute etwa 120 Brücken. Zählt man viele Stege, die über die Oder und die vier hier mündenden Nebenflüsse führen, hinzu, sind es gar um die 300. Deshalb nennt sich Breslau auch gern „das polnische Venedig“.

Natürlich registrieren wir die Attraktionen der Stadt, von der Jahrhunderthalle und dem sensationellen Zoo bis zum Dom, dem Rynek mit dem sehr verspielten Rathaus und dem Rats- oder auch Schweidnitzer Keller, ältestes Lokal des Landes, in dem schon Goethe, Chopin und Bismarck zechten. Und nicht zu übersehen: die inzwischen über 300 Bronzezwerge, die überall in der Altstadt kobolzen und auf ihre Art Stadtgeschichten erzählen.
Auf ihren Suren kommen wir zur Sandbrücke, dem ältesten aller Wege über unseren Fluss. Seit 1861 gibt es den, früher aus Holz was bei Einstürzen dazu führte, dass ganze Prozessionen in die Oder fielen. Seit 1893 rasseln Tramlinien im Gegenverkehr über die kurze rote Stahlbrücke.
Die wichtigste bleibt natürlich die Kaiserbrücke, zu deren Weihe sich 1910 Wilhelm II. bemühte. Die heutige „Grunwaldski“ war damals mit 126,6 Metern Stützweite die zweitlängste Hängebrücke Deutschlands. Samt der Kaiserstraße wurde sie am Kriegsende zum Flieger-Notlandeplatz. Wir verlassen die Stadt friedlich über die elegante Millennium-Brücke im Norden.




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