Altdöberns ‘Fräulein vom Amt’ grüßt

Zur Zeit des Babybooms stand hier die beliebte Wiege der Niederlausitz.

Das Bild zeigt die frühere Post in Altdöbern.
Das Bild zeigt die frühere Post in Altdöbern.

Unsere letzte Unterwegs-Station war nicht für alle Leser erkennbar, für viele aber doch. Eberhard Witzke aus der Calauer Straße in Cottbus meint: „Die Sommerreise findet heute in Altdöbern ihren Abschluss. Wir sind in der Nähe vom Markt. Es ist eine Gaststätte mit Hotelbetrieb. Dies ist ein zentraler Treffpunkt für die Postkutsche und fahrende Händler.“ Genauer weiß es Dietmar Schwiek aus der Bergstraße in Neißemünde: „Hallo – das mit der Post war schon gar nicht so schlecht, da es sich um ALTDÖBERN handelt. Die Abbildung zeigt das ehemalige Postgebäude am Markt 8, welches in der Form aber nicht mehr existiert.“

Ausführlich wie immer schildert Manfred Gnida vom Weinberg in Spremberg: „Bei Interesse zur Heimatgeschichte ist die Lösung nicht schwer. Auf alten Postkarten und Lithografien um die Jahrhundertwende ist dieses Gebäude auch auf Mehrbildkarten abgebildet. Es ist eine Station der Postgeschichte von Altdöbern. Schon im 18. Jahrhundert war hier eine Kursächsische Poststation, an die auch eine Postmeilensäule erinnert. Um 1815 erinnern Stempel an Königlich Preußische Postämter und die damalige Postverwaltung in angemieteten Räumen. Gasthöfe oder Geschäftshäuser dienten als Postagenturen im Ortskern, manchmal auch Wohn- und Geschäftshäuser. Das erste eigenständige Postgebäude in der Gemeinde Altdöbern befand sich direkt am Markt unter der damaligen Adresse Markt 8. Auf Ansichtskarten um 1916 wurde dieses Eckgebäude als Postamt Altdöbern offiziell dokumentiert. Mit Eröffnung der Bahnstrecke wurde ein neues und größeres Gebäude nötig und der Postverkehr in das Haus Bahnhofstraße 55 verlegt. Die Geschichte Altdöbern ist eng mit dem Adelssitz und dem Lehrerseminar verbunden.“

Frühes Altdöberner Postzeichen, aufgespürt im Museum für Kommunikation in Nürnberg.
Frühes Altdöberner Postzeichen, aufgespürt im Museum für Kommunikation in Nürnberg.

Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße schreibt: „Es ist die Post in Altdöbern, das erstmals 1285 als ‘Dobene’ Erwähnung fand. Das Haus steht Am Markt, Ecke Calauer Straße. Auf dem Dach sind die Telegraphenleitungen, die über Isolatoren von dort ins Gebäude geführt wurden, zu erkennen. In Richtung der Evangelischen Kirche von 1921, die mitten auf dem sehr schön mit Bäumen bepflanzten Marktplatz steht, kann man eine Postmeilensäule erkunden. In nördlicher Richtung befindet sich die Schlossanlage, die 1362 von Otto von Köckritz erweitert wurde. Altdöbern war bis 1815 sächsisch. Schloss- und Gartenanlage gehörten seit 1749 Carl Heinrich von Heinecken. Als Besonderheit galt in der Vergangenheit, dass überproportional viele Kinder in Altdöbern geboren wurden. Das lag an der Frauen- und Geburtsklinik, die für die Umgebung, Kreis Calau, zuständig war.“

Aus Guben meldet sich Arno Schulz: „Ich bin zwar schon mehrmals in Altdöbern gewesen, aber das Gebäude des einstigen kaiserlichen Post- und Telegrafenamtes ist mir nicht aufgefallen. Vielleicht gibt es auch diese abgebildete Ansicht nicht mehr. Errichtet wurde es um 1896. Die Postkutsche wurde noch nicht durch Automobile ersetzt, denn links im Bild scheint eine Postkutsche zu stehen. Bereits um 1848 hatte die Morsetelegrafie und so ab 1900 auch die Fernsprechverbindung in Deutschland Einzug gehalten. Natürlich erst in Ballungsgebieten. Der ländliche Raum wurde später erschlossen. Auf dem Gebäude liefen die Telefonleitungen zusammen, da es die Übertragung durch Funkwellen noch nicht gab. Innerhalb der städtischen Bebauung wurden die Freileitungen auf Masten verlegt, mitunter aber über die Dächer, auf denen dann, je nach Dachform, die entsprechenden Haltekonstruktionen errichtet wurden. Die Anrufe gingen über Telefonleitung in die Postzentrale, wo die Verbindung per Handvermittlung zu den gewünschten Teilnehmern erfolgte. Diese Methode, in modernerer Form, hat offenbar in der DDR auch noch die Staatssicherheit genutzt, denn Anrufer aus der DDR in Richtung Westen mussten oft auf eine Verbindung längere Zeit warten, bis dann eine Leitung frei wurde, da die ‘Wächter’ wahrscheinlich mit dem Abhören nicht hinterher kamen.“ Heinz Frankenberg aus Cottbus korrigiert: „Das Gebäude kann ich leider keinem Ort zuordnen. Aber die Angabe ‘frühe Antenne’ in der Bildunterschrift ist wohl fehl am Platze. Mit großer Sicherheit handelt es sich um ein damals häufig zu findendes Dachgestänge, an dem die Telefonfreileitungen der Umgebung enden. In diesem Postgebäude befand sich dann sicher auch eine Telefon-Handvermittlung, in der die Verbindungswünsche der Teilnehmer vom Fräulein vom Amt zusammen gestöpselt wurden.“
Danke all unseren Reisebegleitern.

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