Senftenberg: Einst das beliebteste Ausflugsziel

damals140712sfb
Bis 1952 wurde die Hammermühle als Gastwirtschaft betrieben

Als es das Seenland noch nicht gab, war Hammermühle Aushängeschild:
Silke Rothe schreibt: „Auf dem Foto ist die Hammermühle zu sehen (A). Der Cousin meines Mannes hat sich nämlich an die Hauswand seines Hauses ein sehr, sehr schönes Bild der Hammermühle anfertigen lassen – handgemalt natürlich. Dies habe ich in unserem schönen Großkoschen sofort wiedererkannt. Mein Mann hat mir einige Geschichten überliefert von seinen Eltern von der Hammermühle. Sie muss es mal inmitten des Senftenberger Sees gegeben haben und ein beliebter Ausflugsort gewesen sein. Als der Kohleabbau kam, wurde sie abgerissen. Schade.
Klaus Hirsch weiß: „Urkundlich erwähnt wurde sie schon im Jahr 1408 und zählte neben der Dorfmühle in Großkoschen zu den 40 Mühlen in der mittelalterlichen Zeit des Amtes Senftenberg. Vor dieser Zeit wurde hier mit Hilfe der Wasserkraft Raseneisenerz zerkleinert. Erst der Landvogt der Niederlausitz, Hans von Polenz, ließ 1408 das Eisenhammerwerk zur Mahlmühle umbauen. Ich selbst kenne die Hammermühle noch als idyllischen und schattigen Ort der Erholung. In den Sommermonaten und an besonderen Tagen, zum Beispiel Himmelfahrt, war hier immer viel los. Eine Festwiese mit Tanzpavillon , Kegelbahn , saubere und große Gaststätte mit Außenausschank, gute Kapellen mit richtiger Stimmungsmusik, darüber hinaus Schießstände und Spielmöglichkeiten für Kinder – alles das habe ich noch erleben dürfen. Das man auch bis zur Dorfmühle mit dem Kahn fahren durfte allerdings nicht mehr. Noch ein Hinweis zur damaligen Planwirtschaft für Tagebaue. Schon um 1930 wurden in der Nähe der Hammermühle durch die Ilse-Bergbau AG Pflanzen zur Rekultivierung von Kippenflächen gezüchtet. Bis 1952 wurde die Hammermühle mit Gastwirtschaft betrieben. Danach „ kam die Kohle und dann der Senftenberger See. Das Erholungsgebiet im großen Stil, was wir damals schon, aber eben viel kleiner, in dem Idyll der Hammermühle fanden.
Hans Hörenz schreibt: „In meiner Kindheit, Jugendzeit und auch noch im Erwachsenenalter nach dem zweiten Weltkrieg gehörte die Hammermühle in Großkoschen ebenso wie die „Höhe 304“ im benachbarten Rauno für mich als gebürtigen Reppister zu den beliebtesten Ausflugszielen. Noch heute erinnere ich mich gern an diese beiden landschaftlich schön gelegenen Objekte – die Hammermühle mit der Gelegenheit zum Kahnfahren oder die „Höhe 304“, von der aus ein weiter Blick auf die Stadt Senftenberg und der unmittelbar davor befindlichen Sandbahn-Rennstrecke sowie auf die Brikettfabriken mit ihren rauchenden Schloten möglich war. Beide Ausflugsziele mussten der Kohle weichen als sich die Tagebaue Niemtsch und Meuro ausdehnten und die Flächen in Anspruch nahmen.
In der Hammermühle war ich öfter per Fahrrad auch mit meinen Eltern, weil hier der Männergesangsverein 1912 Reppist stets bei Chorveranstaltungen dabei war, bei denen – nach meiner Erinnerung – auch einmal die besten Chöre der Niederlausitz ermittelt wurden. Für die Sänger wurden diese Treffen zugleich als Familienausflüge genutzt. Einige Schulausflüge der Reppister Kinder waren mit einer Wanderung zum Koschenberg verbunden, über den schon vorher im Unterricht im Zusammenhang mit der Sage „Con der blauen Blume …“ Wissen vermittelt wurde.
Auch meine Frau hatte im Sommer 1939, das ist nun schon 75 Jahre her, als Elfjährige einige Wochen im Kindererholungsheim in der Hammermühle verlebt. Sie hat nicht vergessen, dass ihre Mutter an einem der ersten September-Tage mit dem Fahrrad von Senftenberg II zur Hammermühle kam und ihr die schreckliche Nachricht überbrachte, dass ein Krieg ausgebrochen sei. Das Lausitzer Seenland ist heute wesentlich bekannter als es die Hammermühle früher einmal war. Vor allem bei den Alten wird sie  vermisst.
Gewonnen hat Silke Rothe!
Herzlichen Glückwunsch!


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert