Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die Zeitungen und Nachrichtenkanäle. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Wir erlebten die Ostertage im urchristlichen Land ARMENIEN – freudig und bedrückend. (II)
Jerewan? Genau. Die Stadt mit dem Sender. Sie ist elegant, europäisch modern. Ihre Boulevards, Museen, Theater, Restaurants und Nachtlokale sparen wir uns auf. Wir stecken noch in Osterstimmung, touren zu Kirchen, Klöstern, Kathedralen.
Geniale Künstler haben Bildnisse ihrer Glaubenssicht hinterlassen
Von Petra & Jürgen HEINRICH

Hunderte Kirchen und unzählige Klöster gab es einst im ältesten Christenland, aber die Sowjets haben die Mönche vertrieben und die Klosteranlagen verfielen. Meist sind nur die Kirchen geblieben, armenische Kreuzkuppelkirchen. Der Kirchenraum hat den Grundriss eines Kreuzes, das Gemäuer oder oft der Fels geht in eine runde Kuppel über. Oft sind es Meisterwerke früher Baukunst und Steinbildhauerei, wie Kloster Geghard mit der Felsenkirche, gar nicht weit von Jerewan. Nur ein Baukörper steht hier frei, die Kapellen sind direkt in den gewachsenen Fels gemeißelt.

Über eine kleine Treppe und einen engen Gang erreichen wir solch einen Felsendom. Vier kräftige runde Säulen scheinen die gewölbte, oben offene Kuppel über einem eckigen Raum zu tragen. Aber alles besteht aus massivem Fels. Welche Meisterschaft, die idealen Proportionen von innen her zu meißeln! 1288 entstand dieses Kunstwerk, seit 2000 steht es auf der UNESCO-Liste. Vier Sänger lassen uns mit sakralen Liedern die phantastische Akustik erleben. Die Luft ist frisch, die Temperatur angenehm.

In einer ebensolchen, aber kleineren Felsenkapelle finden wir als Relief Taddäus mit der Lanze. Nach ihr trägt das Kloster den Namen. Der Apostel soll jene Heilige Lanze nach hier gebracht haben, die den Heiland am Kreuz verletzte. Sie ist eines der kostbarsten Reliquien des Christentums und wird heute am Heiligen Stuhl Armeniens verwahrt, den wir später vorstellen.

Unser Weg zwischen Bergen des Kaukasus führt uns zu einem weiteren UNESCO-geschützten Kloster, dessen beide Kirchen malerisch an schroffer Schlucht vor roten Felswänden stehen. Die Reliefs an den Portalen sind hier spektakulär und gehen wohl auf den berühmten Baumeister Momik (um 1260-1333) zurück. Über einem Portal zeigt er groß das Bildnis Gottes! Der bärtige Alte trägt deutlich asiatische Züge. Es war die Zeit mongolischer und anderer Heimsuchungen, und man wollte erreichen, dass, wenn die Feinde sich selbst erkennen, die Porträts nicht zerstört würden. Das funktionierte so gut, dass der keinesfalls christliche persische Schah im 19. Jahrhundert anordnete, dass die Dörfer der Gegend für den Erhalt dieses Klosters zu sorgen hatten.


Aber meist waren es sowieso die Bauern der jeweiligen Gegend, die sich, auch in dunklen Sowjetzeiten, um das Bewahren der Kirchen bemühten. Heute fließen viel Mittel der sieben Millionen im Ausland lebenden Armenier in die Pflege dieses Nationalerbes.

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