Was wollt ihr von Shakespeare?

140503theater
„Was Ihr wollt“ in Regie von Amadeus Gollner – Szenenfoto mit: (v.l.n.r.) Susann Thiede (Olivia), Thomas Harms (Herzog von Illyrien) und Kristin Muthwill (Viola/Cesario) | Foto: Marlies Kross

Wechslungen und Wirrungen – Anmerkungen zu Gollners „Was Ihr wollt“
Cottbus. Die Jagd nach Pointen und Effekten beginnt, ehe sich der Vorhang öffnet: Wind, Wirbel, Wolken, Sturm. Der Narr (Heidrun Bartholomäus) kommentiert und besingt später (ewtwas unter ihrem Wert) das Desaster. Zunächst aber versinkt ein Schiff, dessen Gerippe die restlichen drei Stunden als Gefühlsschaukel taugt. Schauspieler Amadeus Gollner hat Shaklespeares „Was Ihr wollt“ so turbulent inszeniert, wie der Meister das Stück wohl um 1600 auch in London spielen ließ: Ein Parade der albernsten Kostüme (Ausstattung Mathias Rümmler), in denen sich jeder Schauspieler (damals waren das nur Männer) so lächerlich macht, wie nur möglich. Einzig Viola, die dem Tod zur See knapp entgeht, scheint normal zu sein. Doch statt ihren Bruder zu suchen, wie sie es vor hat, findet sie im Matrosenanzug, den sie ihrem Retter noch auf dem sinkenden Schiff vom Leibe riss (schöner Regieeinfall), in ihrem Herrn und Herzog ihre große Liebe und wird von Olivia, zu der sie /er als herzöglicher Brautwerber Cesario unterwegs ist, leidenschaftlich angehimmelt.
Die Turbulenz der Gefühle vermochte Gollner in einem allzu hektischen Spiel kaum zu ordnen. Wo Straffen hilfreich wäre, ufert das Gealbere aus, und im Gehetze hat kaum ein kluger Satz, von denen es viele gibt, Raum und Zeit genug, das Publikum zu ergötzen. Darum allein aber dürfte es dem Dichter gegangen sein.
Immerhin erlebten die Premierengäste, die am Schluss   artig applaudierten, einige schöne Leistungen. Fast introvertiert bewegt sich die Viola von Kristin Muthwill, die heftig fremdelt in denMannsklamotten, ihre Gefühle dabei fast schmerzlich unterdrückt und auch späteres Erstaunen gut darstellt. Laut, eigentlich viel zu laut, lässt Susann Thiede ihre Gräfin Oliva gegen Cesario bzw. dessen (deren) Bruder Sebastian (angenehm zurückhaltend Johannes Kienast) stürmen. Gesellschafterin Maria (Sigrun Fischer) tobt sich in meisterlichen Lachanfällen aus. Während der barocke Herzog (Thomas Harms) ins Kostüm gefessel bleibt, blödeln die Junker-Kumpane Gunnnar Golkowski und Kai Börner durchaus effektvoll nach Herzenslust.  Einen sperrigen Haushofmeister zeigt Michael Günther.
Am 16. und 29 Mai gibt’s wieder „Was Ihr wollt“.    J. Hnr.


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