Bewegte Geschichte des Hotels Deutsches Haus / Zinndeckel für den Krieg
Zahlreiche Mails und Briefe erreichten uns. „Im Hotel Deutsches Haus habe ich vor kurzem eine prächtige Roulade genossen“, mailt Claus Matzker aus Senftenberg. Brigitte Weiland aus Ortrand schreibt: „Im linken Teil des Hauses wohnte in den Nachkriegsjahren die Familie Lohrisch mit
einem Busunternehmen. Vater Lohrisch fuhr mit Ortrandern wöchentlich in den Spreewald zum Erwerb von Gurken, Kartoffeln und sonstigen Lebensmitteln. Alle warteten, bis der Bus endlich aus dem großen Tor gefahren kam. Vom Balkon des Erkers gab es in den späteren Jahren zu festlichen Anlässen Jagdhornblasen. Hinter dem Erker befinden sich seit langer Zeit etwa zehn Schwalbennester. Wenn unsere ‘Stadtschwalben’ da sind, wird es Sommer.
Auf dem Dachboden des Hauses führten uns Kindern einige Jugendliche Kunststücke auf einer Riesenschildkröte vor.
Drei Häuser weiter zeigt das Foto das Hotel ‘Goldener Anker’, heute Pizzeria. Daneben war die Stadt-/Markthalle, Besitzer war Familie Liese, heute Ulbrich. Im Hintergrund sieht man einen Teil des Wohnhausdaches der ehemaligen Schmiede Thiele. Das Haus ‘Richard Margenberg’ war nach dem Krieg Berufs- und Hauptschule. Die 5. und 6. Klasse erlebten wir auch hier, weil unsere Klassen stark waren. Die Räume in der Grundschule am Kirchplatz reichten nicht aus. Danach war hier der Kindergarten, dann wurde es unsere ungeliebte Ruine. Heute ist es Wohnhaus mit Ergotherapiepraxis. Auf dem Marktplatz am Brunnen stehen heute drei junge Rotbuchen, darunter Bänke und seit einigen Jahren eine schmucke Postmeilensäule. Ein beliebter Treffpunkt…“
Günter Bodack aus Ortrand schreibt: „Das Hotel ist aus
dem Wirtshaus ‘Zum weißen Schwan’ hervorgegangen, um 1600 hieß es noch’ Schenk Gasthof’. Es war schon damals erstes Haus am Platze, viele prominente Persönlichkeiten waren hier zu Gast. So der Kurfürst von Sachsen und König von Polen August der Starke, dem das in Ortrand gebraute Bier so gut schmeckte, dass er es nach Dresden liefern ließ, oder Napoleon. 1918 machte König Friedrich August III. von Sachsen hier Halt, bevor er am 13.11. im Schloss Guteborn abdankte. Die guten Zigarren aus Ort-rand hatten es ihm angetan und so genoss er noch eine in der Gaststube. Nach der kampflosen Übergabe an die Rote Armee wurde das Deutsche Haus Russische Kommandantur. Weiter zu sehen ist der Turm der Stadtkirche Sankt Barbara. Er wurde nach dem Stadtbrand 1730 von Ratszimmermeister George Bähr neu errichtet. Zu DDR-Zeiten wurde das Deutsche Haus von der Konsumgenossenschaft betrieben. Seit der Wende ist es wieder in Privatbesitz der Familien Ulbrich und Dehmel, die es in guter Tradition weiterführen.“
Burkhard Schulze mailt: „Dieses Gebäude wurde vor 1900 von Emil Schulze als Gaststätte und Hotel gebaut. Links daneben mit dem Balkon ist das Wohnhaus gewesen. Im Erdgeschoss waren zwei Gästezimmer und im Hotel oben vier Gästezimmer. Die Gaststätte wurde vom Sohn weitergeführt – Hugo Schulze und später Edgar Schulze (mein Großvater). Während des Krieges wurde die Gaststätte von meiner Oma (bis Ende der 50er) geleitet. Bis Anfang 1980 hat meine Oma Martha Schulze in der Küche gearbeitet. Kurz vor der Wende hat die Familie Ulbrich die Gaststätte übernommen und nach der Wende hinter der Gaststätte ein Hotel mit mehreren Zimmern neu gebaut. Während meiner Schulzeit bin ich oft bei meinen Großeltern gewesen und habe viel Schönes gesehen und erlebt. Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, die Gastwirtschaft weiterzuführen, entschied mich aber für einen technischen Beruf.“
Brigitte Damaschke aus Ortrand berichtet: „Neben dem Haus von Margenberg war Frisör Hofmann, heute Schreibwaren Riegner. Daneben Glaserei Haupt, heute Konfektionsgeschäft. Das Haus mit dem großen Tor war Gastwirtschaft Schulze, heute Gaststätte Dehmel. Rechts daneben war Schneiderin mit Kurzwarengeschäft Vogt, heute Buch und Leitungsvertrieb Opitz. Dann kam Uhrmacher Hirsch, heute Optiker Klar, die Gastwirtschaft Töpfer, heute Solarium, und Gaststätte Salvadore. Dahinter Hauswirt Ulbrich, früher Stadtrat Liese, der auch ein berühmter Bürger von Ortrand war. Und im letzten Haus war ein Tischler Zug, heute Heizungsmonteur Hesse. Ab Salvadore gehören die Häuser zur Elsterwerdaer Straße.“
Hildegard Echtner schreibt: „Ich habe im Deutschen Haus 1940 meine Hochzeit gefeiert. Während des Krieges, eingesetzt als Bürogehilfin im Sägewerk, verbrachte ich hier meine Mittagspause, nachdem ich die Lebensmittelkarten abgegeben hatte. Kurz vor Kriegsende musste ich sehen, wie ein Offizier der Wehrmacht aufgeregt hereinkam, nachdem er Uhrmachermeister Hirsch erschießen musste. Das war auf dem Topfmarkt.“
Gotthard Apitz schreibt: „Als ich 1954 nach Ortrand kam, um in der Eisenhütte zu arbeiten, war ich oft im Deutschen Haus. Es gehörte damals Edgar Schulz. Auf dem Billard wurde manche Bierrunde ausgespielt. Edgar Schulz verbrachte seine letzten Arbeitsjahre in der Eisenhütte als Magazinarbeiter. Er erzählte mir, dass er in Kriegsjahren die Zinndeckel von den Bierbechern trennte und im Wäschekorb ins Rathaus schaffen musste. Dort
wurden sie zu Kriegszwecken gesammelt. Friseurmeister Gerhard Kundisch erzählte mir, dass Ende der 40er-Jahre Hans-Dietrich Genscher im Saal des Deutschen Hauses vor Einwohnern gesprochen hat.“
Gewonnen haben Burkhard Schulze, Hildegard Echtner und Günter Bodack.
Herzlichen Glückwunsch!
















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