
Die Ossi-Wessi-Platte klingt abgedroschen und wurde in dieser Zeitung eigentlich kaum aufgelegt. Die allenthalben erörterten Personalansätze für eine mögliche GroKo-Regierung in Berlin werfen allerdings Fragen auf, die ganz besonders uns Lausitzern an die Nieren gehen könnten.
Mehr als hier bei uns ist in Alt-Bundesländern die sorgenvolle Frage zu hören: Was läuft da eigentlich im Osten schief? Die Wirtschaft kommt noch immer nicht so in Schwung wie sie es sollte, und die Menschen in Dresden, Cottbus, Thüringen und anderswo sammeln sich murrend auf den Straßen. Am 24. September letzten Jahres erschrak das Establishment: Die AfD war vielgewählte Protestadresse. Vor allem im Osten.
Was nun? Nach rüdem Jamaika- und GroKo-Postengerangel entsteht der Eindruck, als wolle sich (West) Deutschland jetzt beleidigt in den Grenzen von 1990 regieren. De Maiziere, Wanka und Schwesig scheiden bzw. schieden aus dem Kabinett aus. Bleibt künftig die ostkühle Kanzlerin allein unter 15 Wessis? Das könnte ein folgenschwerer Fehler sein.
An regierungsfähigem Personal fehlt es diesseits nicht. Sachsens SPD-Chef Dulig, Diplompädagoge mit sechs Kindern, ergäbe einen guten Familienminister, die Brandenburgerin Katherina Reiche (CDU), jetzt Chefin im Verband kommunaler Unternehmen, würde ins Wirtschaftsressort passen – um nur zwei Beispiele zu nennen.
Insbesondere die Wirtschaft, in entscheidenden Vorständen westdeutsch gut vertreten, wäre ostdeutsch politisch in taktisch guter Hand. Denn der schleppende Strukturwandel ist nicht nur ein Lausitzer, sondern ein regional viel weiteres Problem. Eines, bei dem die „Ossi-Wessi-Platte“ noch immer ziemlich scharf kratzt.
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