Leichtatlethik Hallen-WM ab 20. März in der Deutschordenstadt Thorn/Torun, seit 1997 mit Burg und Altstadt im UNESCO-Erbe (II).





Fußballerisch kann die Sportstadt Torun nicht einmal mit Cottbus mithalten. Die Einwohner begeistert das Dröhnen der Speedway-Motoren. Zu Rennen ist das Stadion rappelvoll und endlich wurden Thorns Sandbahn-Artisten letztes Jahr polnische Meister. Jetzt fiebert alles der Hallen-WM der Leichtathleten am 20. bis 22. März entgegen. Für zahlreiche internationale Top-Stars ist Torun das Highlight der Hallensaison. Die Bedingungen in einer Halle, die 5.200 Zuschauer fasst, sind optimal. Wer sich als Fan auf den Weg macht ins einstige Deutschordensland, wird sich in der 200.000-Einwohnerstadt an der Weichsel und im traditionsreichen Kulmer Land, dessen Hauptstadt Thorn/ Torun war und ist, umschauen. Es gibt viel zu entdecken. Allerdings: Felder, nur Felder liegen zwischen den Orten, kaum Wald. Der wurde verheizt, um die vielen roten Steine zu backen, aus denen die Städte und vor allem die vielen Ordensburgen bestehen. Auch das Geburtshaus des berühmtesten Kulmers, des Astronomen Nikolaus Kopernikus in Thorn, besteht aus rotem Backstein. Ebenso die riesige Kirche, in der sein Taufstein steht und auch die Reste der Thorner Ordensburg, die hier die Erste war. Sie liegt in Trümmern, steht aber seit 1997 unter UNESCO-Schutz und kann als Museum entdeckt werden.

Thorn liegt im Süden des alten Landkreise Marienwerder (bis 1920 Westpreußen), Kulm/ Chelmno im Westen, beide an der Weichsel, Gollub dicht am Zarenreich im Osten, aber alles eng beieinander für eine Tagestour.

Kulm, besticht durch fünf große Kirchen, weil es als Hauptstadt gedacht war. Heute wirbt es als „Stadt der Liebe“, ist am 14. Februar Dorado der Liebenden, weil in der sehenswerten Marienkirche Reliquien des Heiligen Valentin aufbewahrt werden. Chelmno lieg somit am offiziellen Jakobsweg und freut sich über jeden Wanderer. Die kleine Stadt hat eine mittelalterliche Befestigungsanlage mit 17 Türmen, die zu den längsten in Polen zählt. Auch Kopernikus ist hier (in Bronze) zu treffen. Er half in klammen Momenten mal dem hiesigen Kämmerer auf die Sprünge. Die Kulmer sind ihm dafür bis heute dankbar.

Nach Gollub-Dobrzyn am Grenzfluss Drewenz lohnt sich der Abstecher, weil dort eine feine Ordensburg unversehrt blieb. Sie spielte in der Schlacht von Tannenberg und beim Thorner Frieden (1411) eine Rolle, kam aber nicht zur Ruhe, bis die schwedische Königin Anna Wasa sie zu ihrer Residenz wählte und ihr mit dem Umbau 1616 bis 1623 heutige Renaissance-Fasson gab. Man verehrt sie bis heute und liebt die Ritter und ihre Spiele mit den Lanzen. Bisweilen treffen die schnaufenden Rösser und gepanzerten Ritter hier vor dem Schloss aufeinander – Ritterspiele sind, wie aller Mittelalterkult, im Kommen. Vielleicht hat gerade diese Deutschordensburg hart an der Grenze zum Zarenreich ein große Zukunft.

Aber – nach Torun zurückgekehrt – vorerst geht es um Meter und Sekunden in der Welt der Leichtathletik. J. Heinrich
Schreibe einen Kommentar