Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]
Alarm in der TheaterNative C - Märkischer Bote - Märkischer Bote
Mittwoch, 21. November 2018 - 10:40 Uhr | Anmelden
  • Facebook
Stark bewölkt
1°C
 

Anzeige

Alarm in der TheaterNative C

9. November 2018 | Von | Kategorie: Feuilleton |

Murmels Old School Band sorgte für Begeisterung – und einen Fehlalarm.

Alarm in der TheaterNative C

An diesem Abend hatten alle sichtbaren Spaß – Murmels Old School Band und das Publikum waren auf einer Welle | Text & Foto: J.Kurze

Cottbus (jk). Marco Ziesemer, der rührige Geist der TheaterNative C hatte den Gig eingefädelt und super vorbereitet. Für alle, die es nicht wissen: Arnold Fritzsch, genannt Murmel, war in den Siebzigern Chef der Gruppe Kreis, mit der er fast zehn Jahre lang viele Hits in der DDR hatte und auch international gern gesehen war. Danach schrieb er für viele Interpreten wie Arnulf Wenning, Lippi, Ines Paulke oder Milva sowie für Bühne, Film und Fernsehen, bis ihn eine tückische Krankheit für lange Zeit aus dem Rennen nahm.
In all den Jahren, in denen ich im Bereich Tanz-und Unterhaltungsmusik unterwegs bin, habe ich auf vielen Bühnen gespielt und etliche Profi-Kollegen kennengelernt, Arnold „Murmel“ Fritzsch gehört zu den Sympatischsten seiner Zunft. Mitte Oktober traf ich ihn nach -zig Jahren zum Interview wieder: ein lebensfroher, heiterer Typ, der kurz vor seiner Reise zum Kap Arkona stand, wo er zwei Tage später geheiratet hat. Wir redeten über alte und neue Zeiten, über den Gundermann-Film, über Befindlichkeiten – und natürlich über Musik. Da saß mir einer gegenüber, der wieder richtig Bock auf die Bühne hat und sich irrsinnig freute, mit seinen alten Kumpels, die ihm besonders in den schwierigen Zeiten auch mental eine große Hilfe waren, wieder zu musizieren. Aber er war unschlüssig, ob ihn denn überhaupt noch jemand kenne und ob die Band den Laden einigermaßen füllen würde.
Die Sorgen waren völlig unbegründet- die Nachfrage nach Karten überstieg die Platzkapazität. Das „Mittelalter“ fand sich ein zum großen Klassentreffen und brachte auch jüngere Gäste mit, die schon beim Opener „Johnny B.Goode“ sprichwörtlich aus den Theatersitzen gerissen wurde. Es folgte ein gelungener Mix aus eigenen und internationalen Hits, gewürzt mit witzig-kautzigen Moderationen von Murmel und seinen Kollegen Wolfgang „Nick“ Nicklisch ( Gitarren, Akkordeon) und Jörg Dobersch (Bässe), beide Gründungsmitglieder von Kreis und heute überwiegend bei der Modern-Soul-Band tätig ( die übrigens am 7. Dezember im Cottbuser GladHouse spielt), und Stefan Dohanetz, der auch bei Pankow und Wenzel trommelt.
Verstärkt wurden die leicht ergrauten Herren ab dem 4. Titel erstmals von Anne-Katrin Meyer. Sie ist Gesangsdozentin und zuhause in den Bereichen Oper, Musical und Swing, tourte kürzlich mit „ Die Schöne und das Biest“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Anne drückte nicht nur den Altersdurchschnitt auf der Bühne gehörig nach unten, sondern passte mit ihrer Unbeschwertheit fabelhaft zu den jung gebliebenen alten Hasen. Denn die wollen es ja wieder wissen – so die Anlehnung an den wohl größten Hit von Kreis „ Doch ich wollte es wissen“. Nun war sprichwörtlich „Feuer unterm Dach“, aber ein Rauchmelder verstand das offenbar falsch, so dass sich die Alarmanlage des Theaters lautstark und anhaltend zu Wort meldete.Die Musiker nahmen es mit Humor. Stefan griff den Rhythmus der Signaltöne auf, setzte dezent seine Schießbude ein, der Bass leitete ein Blues-Thema ein, Nicks Gitarre kam hinzu, Anne und Murmel schafften es, das Publikum auf die Taktzeiten zwei und vier einzugrooven – und fertig war die musikalische Überbrückung. Somit war auch die Alarmanlage versöhnt, die Improvisation erhielt auf Anraten einer Zuschauerin den Titel „Cottbuser Tinnitus“ – jaja, wie sagte Murmel später treffend: „Songschreiben kann mitunter so einfach sein.“
Danach hatte ich zum ersten und nicht zum letzten Mal an diesem Abend richtig Gänsehaut: a capella begann Anne „Colour of my tears“ der unvergessenen Ines Paulke zu singen, Nick ergänzte einige Takte später mit der Akustikgitarre, ehe die restlichen Bandkollegen einstiegen. Ines ist ja leider nicht mehr unter uns. Nicht nur Murmel hatte sichtlich mit seinen Emotionen zu kämpfen. Natürlich folgte „Himmelblau“, ebenso souverän umgesetzt. Und hier gingen meine Gedanken an den Texter Andreas Hähle, von dem es ja nun wieder gute Nachrichten zu dessen Gesundheit gibt. So dicht können Gefühlswelten beieinander liegen. Mit einigen Blues- und Soulstandarts ging es in Richtung Pause, aber vorher gab es mit kräftigen Versionen von „Rot so rot“ ( Arnulf Wening) und der „Jugendliebe“ ( Ute Freudenberg) noch was für die Mitsinge-Fraktion, und das ganze kam überhaupt nicht zuckersüß-schlagermäßig daher, sondern ungewohnt rockig – so gehts also auch!
Mit einer witzigen Fassung des legendären „Farbfilms“ ging es stimmungsmäßig ohne Abbruch in Teil Zwei des Konzerts, Nick hatte sich dazu extra das Akkordeon umgeschnallt – Hiddensee-Feeling, was sonst. Nun folgte aus der Kreis-Zeit „ Sie ist immer noch allein“ – meine Güte, wie oft hatte unsere Band damals diesen Titel intoniert, wir mussten ja was für die 60:40-Regelung im Programm haben. Und auch in der ehemaligen Sowjetunion, wo wir zum Tanz spielten, war dieses Lied bekannt.
Dass Murmel wie viele von uns von den „Fab Four“ beeinflusst wurde veranlasste ihn einst zum Lied „ Ich war der fünfte Beatle“. Am Freitag wurde es vielstimmig vom Publikum mitgesungen und leitete das letzte Konzert-Drittel ein, bei denen die Band auf ihre ganz spezielle Weise Songs der Beatles umsetzte. Und jetzt kam das Können jedes Einzelnen noch einmal besonders zur Geltung. Jörg schnappte sich den Fretless-Bass. Anne saß solo am Klavier und intonierte „ Here, there and everywhere“ – ganz großes Kino! Mit den echt komplizierten und selten gespielten Stücken „ For no one“ und „Because“ reizte die Band auch ihren Satzgesang vollends aus, ehe es in den wieder rockigen Endspurt des Konzerts ging. Das Publikum war völlig aus dem Häuschen und ertrotzte zwei Zugaben.Wenn ich Murmel richtig verstanden habe hat er eine Rückkehr 2019 im Visier. Das will ich doch aber schwer hoffen – und bitte in genau dieser Besetzung. Hier verstanden sich fünf Leute auf der Bühne musikalisch und menschlich bestens und hatten Spaß an dem, was sie tun – und das kam genau so rüber. Mehr davon!

Weitere Beiträge aus Cottbus und Umgebung finden Sie hier!




Anzeige

Schreibe einen Kommentar

 

Ich habe die Datenschutzerklärung der Cottbuser General-Anzeiger Verlag GmbH gelesen und akzeptiere diese mit dem Versenden des Kommentares.


Das könnte Sie auch interessieren