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Bauernschwank feiert in Drachhausen Premiere

Land und Leute | Von | 1. März 2002

Regisseur Bart

Wohl bekomm’s: Regisseur Bart zeigt, wie dem
Bauern der Schnaps eingeflößt werden soll.

Entsetzen macht sich breit im Hause des Bauern Šwick: “Mein Sohn heiratet eine Zigeunerin!” stöhnt er und bekommt von der Šwickowa, seiner Frau, erstmal einen Schnaps eingeflößt. In Wahrheit ist es jedoch Magd Liza, die da Tamburin spielend daherkommt und die Tarotkarten auf dem Tisch ausbreitet. Das Ganze ist ein Trick der Magd, um ihren geliebten Juro – Šwicks Sohn – ehelichen zu können. Doch für den haben Bauer und Bäuerin eigentlich eine begütertere Frau ausgewählt …

 

 

 

 

 

Bauer Drachhausen

Die Bäuerin nimmt sich Sohn Juro (l.) und
Mann zur Brust.

Des Bauern Ohnmacht ist das Finale einer herzerfrischenden, intrigenreichen Geschichte um Liebe und Zwangsheirat im Drachhausen (Hochoza) der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen Liebesbriefe, deren Inhalt der Postbote immer schon kennt, die ihren Adressaten nie erreichen und die auf wundersame Weise wieder zum Vorschein kommen. Mit einem richtigen Knall nämlich!
Einen richtigen Knall soll es am Sonnabend, 16. März, im Drachhausen von heute geben: Um 19.30 Uhr erlebt der Bauernschwank Liza, luba Liza / Liese, liebe Liese im Landgasthof seine Premiere. Nicht professionelle Schauspieler sind es, die das Publikum ergötzen wollen, sondern die einheimische Laienspielgruppe. Gegründet zu den Wendischen Festtagen 1998, hat sie damals von Jurij Koch geschriebene Szenen aus dem Leben des berühmt-berüchtigten Volkshelden “Jagar Bagola” aufgeführt. In wendischer Sprache versteht sich, und dazu noch im Drachhausener Dialekt. Der Erfolg war umwerfend. Ein Dutzend Auftritte im nieder- und obersorbischen Gebiet bis in die Sorbenhochburg Bautzen folgte.

 

 

Juro

Juro (Fritz Woitow) umarmt seine liebste Liza
(Silke Mehlisch).

Knapp 900 Menschen leben in Drachhausen. Die Sprache ihrer Vorfahren beherrschen längst nicht mehr alle. Trotzdem sind die wendischen Traditionen hier fest verankert. Vor 135 Jahren, so sagt es die Statistik, hatte die Gemeinde noch 1100 Einwohner – und alle sprachen Wendisch!
Dies wieder bewusst zu machen, ist Anliegen der kleinen, buntgemischten Spielschar. Allen voran Fritz Woitow, Landwirt, seit über acht Jahren Bürgermeister, Sorbe aus Passion und ein Hansdampf in allen Gassen. Ihm zur Seite stehen Verkäuferin Regina Lottra, Ofensetzer Werner Lehmann, Maler Erhard Lottra und Bankkauffrau Silke Mehlisch.
Nach dem großen Erfolg des “Jagar Bagola” lag es nahe, sich ein neues Stück vorzunehmen. Einen Verbündeten fanden die Drachhausener erneut in Jurij Koch. Er adaptierte einen jahrzehntelang vergessenen Schwank von Marjana Domaškojc aus Zahsow. “Den habe ich auf die Truppe zurechtgeschrieben. Es sind ja nur fünf Schauspieler; ursprünglich hat er mehr Rollen”, so der Cottbuser Heimatschriftsteller, der regelmäßig bei den Proben in der alten Drachhausener Schule vorbeischaut. Seit Herbst wird fast jeden Sonnabend und Sonntag geübt.
Wenn es auch Laienschauspieler sind – Regisseur Køesæan Bart vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen nimmt sie hart ran. Wieder und wieder probt er die gleiche Szene, bis jede Geste sitzt, jedes Wort richtig betont wird. Zwischendurch springt Bart in die Kulissen, zeigt, wie er sich eine bestimmte Handlung denkt, lässt wiederholen, zeigt erneut, bis der “Šwickowa” Regina Lottra klar ist, wie sie “Šwick” Werner Lehmann an der Nase zu packen und ihm den Schnaps in den Rachen zu schütten hat.
“Die Schauspieler akzeptieren, dass ich hohe Anforderungen stelle und keine Unterschiede zu Profis mache”, sagt Bart, “schließlich soll ein gewisses Niveau erreicht werden.” Er freut sich, dass die Truppe mit “viel Begeisterung bei der Sache ist und eigene Einfälle hat.”
Fritz Woitow weiß, wo der Elan herkommt: “Der ‘aufbrausende, anhaltende’ Beifall für den ‘Bagola’ hat uns motiviert. Da wollten wir weitermachen.” Unterstützung bieten die Stiftung für das Sorbische Volk, die Domowina und das Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen, das neben dem Regisseur auch Kulissen, Kostüme und Requisiten stellt.

 Jurij Koch

Autor Jurij Koch auf einer sonntäglichen Probe.

Schon vor der Premiere gibt es viele Anfragen nach auswärtigen Auftritten. Zusagen wurden noch nicht gemacht. Silke “Liza” Mehlisch: “Der eigene Ort ist erstmal das Wichtigste. Die Leute freuen sich schon auf das Stück. Und danach können wir auf Tournee gehen.”
Die Vorfreude der Drachhausener ist berechtigt. Zumindest lassen die bei der Probe erlebten Ausschnitte auf uriges Bauerntheater schließen. Witzig vor allem die Umsetzung: Nicht etwa der 61jährige Fritz Woitow spielt den Bauern und der 49jährige Werner Lehmann den Sohn, sondern umgekehrt. “Typisch Woitow”, werden sich die Drachhausener ihren Teil denken. Sie kennen ihr Dorfoberhaupt mit dem schwarzgefärbten Haar sehr genau. “Ist ja eine Komödie, da kann man so etwas machen”, meint Jurij Koch lapidar. Recht hat er.
Am Sonnabend, wenn Bauer Šwick mit den Worten “Mein Sohn heiratet eine Zigeunerin!” zusammengebrochen ist, wird sich zeigen, ob sich Køesæan Barts Hoffnung erfüllt hat: “Die Leute sollen nach einer Stunde verwundert fragen: Was, schon vorbei?” C.N.

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