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Branitzer Park: Der würdige Eingang wird bereitet

Land und Leute | Von | 1. März 2002

Branitzer Park

Branitzer Park

Als Pückler 1845 nach Cottbus kam, war die Gutsökonomie bereits 60 Jahre vorher verschiedenen Pächtern unterstellt. Nahe am Pücklerschen Park war das wirtschaftliche Anwesen eine Herausforderung für Pückler. Nicht nur, dass seine Neuordnung finanziell auf wackligen Füßen stand, auch die Blickachsen des Parks mussten für die Neuordnung der Gebäudeteile berücksichtigt werden.

1850 ging dann der Auftrag an Architekt Tietze aus Berlin, den Gutshof neu zu entwickeln. Bis 1858 war die Anlage weitestgehend in seiner prägenden Form errichtet. Eine Mauer umgab das Areal, ein Tor öffnete den Hof zur Parkseite westlich, östlich ebenso für den Wirtschaftszugang.

Geld fließt

Gutshaus, Pferdestall, Rinderstall und Kutscherwohnung befinden sich seit kurzer Zeit im Besitz der Stiftung Park und Schloss Branitz, nachdem die LPG die Stallgebäude lange Zeit nutzte und nach 1990 der Leerstand letzter Mieter war.
Mit der Zusage von Fördermitteln in Höhe von 3,5 Millionen Euro aus der EU nimmt die Stiftung nun mit der Sanierung und Wiederherstellung der Anlage einen wichtigen Baustein des Gesamtensembles Branitzer Park in Angriff. Rund 250 000 Euro steuert die Stadt bis 2006 jährlich zu; 2,25 Millionen Euro insgesamt kommen vom Bund.

Umfassungsmauern

Die früheren Umfassungsmauern des Gutshofes
in Pissebauweise sind nur noch teilweise erhalten ebenso wie die Pfeiler der Eingangsbereiche.

Substanz schwierig

Kummer macht Matthias Zickora, Verwaltungsleiter der Stiftung, der marode Zustand der Ställe und der Grundmauern des Gutshauses. Auch zu Pükcklers Zeiten war wirtschaftliches Bauen gefragt, gespart wurde dann am Material. In der sogenannten Pisee-Bauweise zogen die Arbeiter damals Schalungen in die Höhe, in die sie ein Kies-Kalk-Sand-Gemisch einfüllten, das lediglich gestampft wurde. Was damals Kosten sparen half, ist heute schwer zu sanieren. “Wir suchen nach der besten Methode, die dicken und bröselnden Mauern zu verfestigen. Etwas, das uns auch erlaubt, drauf noch Putz aufzuringen”, grübelt Zickora. Ganze Teile der historischen Substanz überlebten die tiefgreifenden Umbauten der DDR-Zeit ohnehin nicht. Gut zu aktivierende Spuren der historischen Bauweise lassen aber der Pferdestall und das Gutshaus noch erkennen.

Willkommens-Bereich

Fährt der Besucher des Parks heute den seit 1995 existierenden Parkplatz an der Ostseite des Parks an, dann wird er ab hier ziemlich allein gelassen mit seinem Wunsch nach beschaulicher Wissensaufnahme, kulturvollem Spaziergang oder Service. Die sanierte Gutsökonomie soll diese Service-Lücke im Park-Konzept nach der Fertigstellung schließen. WCs, auch behindertengerecht ausgebaut, Garderoben, Begegnungsräume, eine anschauliche einführende Ausstellung soll hier alle Besucher willkommen heißen. “Es soll eine Inszenierung auf 500 Quadratmetern werden, die gleichermaßen Alt und Jung neugierig macht, auf das, was in Park und Schloss über Pückler und seine Zeit zu erfahren ist”, schwärmt Zickora bereits heute für den musealen Teil, obwohl die Inbetriebnahme nicht vor 2006 zu erwarten ist, wenn die geeigneten Finanzierungspartner gefunden sind. Im Gutshaus selbst wird die Verwaltung Platz finden.

Ofentür

Eine gusseiserne Ofentür – vielleicht ein Stück für
die Ausstellung im Peitzer Hüttenwerk,
überlegt Matthias Zickora

Viel Platz für mehr

An dieses Konzept lehnt sich auch die zukünftige Innenhofgestaltung an, die diesen Empfangscharakter unterstützen soll.  Der ehemalige Ökonomie See, einst Tummelplatz der Gutsenten und Gänse, wird bereits theoretisch mit Hilfe der BTU nachvollzogen und aufgespürt. Ein Fördermittelantrag für seine Aktivierung ist in Bearbeitung. Ergänzt werden soll das Angebot durch einen besonderen Kinderspielplatz und eine Freilandgastronomie. “Dazu werden die Feimen (Heuhaufen nach Spreewälder Vorbild) im Hof einen schönen Rahmen bieten”, so Zickora.
Der Blick in den Park und die Beziehung des Gebäudes zu den Pflanzungen ist die besondere Herausforderung, die sich das Architektenteam aus Lutz Wache (Cottbus) und einem Münchner Partner aussetzt. Die Kutscherwohnung, ehemals zwischen Rinder- und Pferdestall gelegen, wird als verbindendes Glied in Glas wiedererrichtet, der kleine vorspringende Giebel des Rinderstalls wird seine ursprüngliche Form wiedererhalten, die die lange Fassade gegliedert hat und als Blickpunkt zwischen Pflanzungen hindurch die Parkansicht prägte.

 

In Pücklers Geist

“In mancher Hinsicht muss man im Geiste Pücklers zu entscheiden versuchen, denn auch er hat hin und wieder umgebaut und erneuert. Viele Phasen solcher Umbauten verwirren zuweilen die historischen Spurensucher”, weiß Zickora. Obermuseumsrat Siegfried Neumann gibt hier hilfreiche Hinweise als Bauforscher. Auskunft über Umbauten erlesen sich auch gut aus Pücklers Haushaltsbüchern, die Handwerksrechnungen enthalten. Damals wie heute müssen Bauherren den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Anspruch schaffen, beschreibt Zickora die Hauptschwierigkeit des Projektes. Das die würdige Begrüßung der Besucher auch in Pücklers Sinn gewesen wäre, da ist sich der Verwaltungschef und der Stiftungsrat sicher.

Immer zu tun

Ein Großteil der Sanierungsarbeiten sind mit der Gutsökonomie und allen Außenanlagen ab 2008 im Park geschafft. “Zu reparieren gibt es immer etwas, aufwendig sind auch die Pflanzarbeiten, die jetzt immer mehr in den Vordergrund rücken”, erklärt Zickora die Arbeit der Stiftung für die Folgejahre. Wichtigste Zielrichtung für die Zukunft aus seiner Sicht: Spreeauenpark, Tierpark und Branitzer Park sind als eine Einheit zu begreifen und auch so in ein Gesamtkonzept zu bringen: “Ein großes Potential, das für Cottbus von immenser Bedeutung sein kann!” Vielleicht wird es der künftige Besucher schon im Eingangsbereich – der Gutsökonomie – in Zukunft so erleben. G.G.

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