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6. April 2018 | Von | Kategorie: Cottbus, Region, Top-Themen |

BTU-Studie warnt vor Schnellschüssen im Kraftwerksrückbau / Uli Freese schlägt Schwarze Pumpe als Zentrum für Wasserstofftechnologie vor / Lausitzer Experten gehören in neue Fachkommission

 

Ulrich Freese (r), SPD-Bundestagsabgeordneter aus Spremberg, befasst sich seit 28 Jahren in unterschiedlicher Verantwortung mit Strukturbrüchen

 

Region (hnr.) In einer vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium beauftragten Studie warnen die BTU-Professoren Hans-Joachim Krautz und Harald Schwarz vor „Schnellschüssen“ beim Braunkohleausstieg. Zum einen seien Netze nicht hinreichend ausgebaut, zum anderen müssen „unterlegte Prozessketten“ bedacht werden. Kraftwerksblöcke liefern neben Strom auch Fernwärme (wie etwa Jänschwalde für Cottbus) und Prozessdampf. Die Studie betrachtet Vorgänge bis 2023 (Frist für Kernenergieausstieg) und hält das Abschalten der Kraftwerksblöcke aus der Sicherheitsbereitschaft für riskant. Wirtschaftminister Albrecht Gerber richtet das Wort an die Bundesregierung: „Wir brauchen die Braunkohle weiterhin als Brückentechnologie.“
Das bekräftigt auch der Spremberger Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD): „Auf Kohleverstromung kann mittelfristig nicht verzichtet werden. Die Studie bestätigt einmal mehr meine im Bundestag wiederholt vertretenen Positionen.“
Beim Bundeswirtschafts- und Energieministerium wird gerade die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ ins Leben gerufen. „Die BTU-Studie kommt also zur richtigen Zeit“, sagt Freese, der, ebenso wie Thomas Jurk (Landkreis Görlitz) aus unserer Kompetenzregion in eine solche Kommission gehört. „Dort“, so Freese, „muss zunächst die Versorgungssicherheit und preisliche Situation der Stromversorgung betrachtet werden. Dazu gehört Technologieoffenheit, um Treibhausgas-Neutralität für die gesamte Industrie, also auch für Kraftwerke, zu erreichen. Auch das Tabu-Thema CCS und die stoffliche Verwertung von CO2 müssen neu besprochen werden.“ In diesen Zusammenhang gehöre auch die Antriebstechnologie für Automobile. Freese schlägt vor: „Die Lausitz mit dem Industriepark Schwarze Pumpe wäre ein idealer Standort für ein Wasserstofftechnologiezentrum.“
Erst dann, wenn die von den BTU-Experten aufgeworfenen Fragen beantwortet sind, kann „verantwortungsvoll über ein Ausstiegszenario aus der Kohleverstromung (Stein-/Braunkohle) nachgedacht und ein Zeitkorridor vereinbart werden“, erklärt Ulrich Freese, der selbst Bergmann ist. „Unabhängig davon wird über die unterlassene strukturelle Entwicklung von Bergbauregionen zu reden sein. Es sind Maßnahmen festzulegen und Förderprogramme zu vereinbaren.“
Freese stützt sich auf 28-jährige Erfahrung mit Strukturbrüchen in unterschiedlicher politischer Verantwortung. Er habe dabei „häufig auf Granit gebissen“ sagt er, konnte aber in der zurückliegenden Wahlperiode als Bundestagsabgeordneter für die Lausitz erreichen, dass überzogene Vorstellungen der Braunkohlegegner keinen größeren Schaden bewirkten.




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